2026 war mein zweiter Start als Pacer beim Rom Marathon und in diesem Jahr lief alles perfekt. Es wurde ein Marathon, der von einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde gekrönt wurde und ich war mittendrin.

Auf nach Rom

Starts bei weiter entfernten Marathons nutze ich gerne für ein paar Tage Urlaub, so auch dieses Jahr in Rom. Am Donnerstagabend war ich noch bei Kraftklub in Nürnberg und am Freitag um 6.03 ging mein Zug von Bamberg nach München zum Flughafen. Ich hatte dieses Mal nur einen Hinflug und die Rückfahrt am Montag war mit dem Zug geplant. Durch eine Änderung bei der S-Bahn in München musste ich meine Anreisepläne zum Flughafen im Vorfeld ändern und von Ingolstadt mit dem Bus fahren, was länger dauerte und zusätzliche Kosten verursachte. Dafür hat am Flughafen alles reibungslos geklappt und ich kam nahezu pünktlich gegen Mittag in Rom an. Leider hatte ich in der voll besetzten Maschine einen Sitzplatz am Gang, so dass ich kaum etwas sah.

Nach der Ankunft in Rom ging es in die Stadt ins Hotel. Jedes Mal wieder bin ich überrascht, dass die Fahrt mit der DB App buchbar ist. Vom Bahnhof Termini war es nur eine Station mit der U-Bahn und ein paar Minuten zu Fuß. Dann war ich im Hotel und war begeistert: das Hotel hatte neben den Zimmern eine Küche, einen Essbereich und eine Dachterrasse, die der absolute Wahnsinn war. Dort genoss ich meinen ersten Espresso in Italien und hatte diese Aussicht…

Blick von der Dachterrasse meines Hotels

Marathonmesse

Das Wochenende war vom Marathon geprägt und so machte ich mich nach einer kurzen Pause auf den Weg zum Circus Maximus, wo in diesem Jahr die Marathonmesse stattfand. Vom Hotel waren es etwa 10 Minuten zu Fuß, vorbei am Kolosseum. Ich genoss es, wieder in Rom zu sein. Glücklicherweise musste ich nicht lange anstehen und kam schnell in die Halle und zur Startnummernausgabe. Zufällig traf ich dort Peter, einen Schweizer Pacerkollegen, den ich bereits vom letzten Jahr kannte. Gemeinsam schauten wir uns um, erledigten alles und wollten am frühen Abend zum technischen Briefing für die Pacemaker gehen. Wie ich startete Peter auch am Samstag beim 5 km Fun Run als WarmUp für den Marathon am Sonntag.

Abends stand Pizzaessen auf dem Programm und noch etwas Sightseeing mit dem Bus, wobei ich für ein Marathonwochenende wieder zu viel zu Fuß unterwegs war… Aber das lässt sich in Rom nicht vermeiden.

Der Samstag – 5 km Fun Run

Morgens um 9 Uhr sollte der Startschuss für den 5 km Fun Run fallen, der dieses Jahr am Kolosseum startete. Ich hatte mich mit Peter für 8.30 Uhr verabredet, das Frühstück hatte ich für nach dem Lauf geplant.

Ich konnte daher den Tag entspannt angehen lassen und bereits den ersten Kaffee auf der Dachterrasse in der Sonne genießen. Von dort oben zeigte sich bereits, dass viele Läufer*innen dabei sein werden. Mein Vorteil war, dass ich nur 5 Minuten zum Start benötigte und so keine Hektik aufkommen lassen musste. Später erfuhr ich, dass über 20.000 Menschen beim Lauf dabei waren.

Es war bereits angenehm warm, als ich zum Start kam. Peter und ich fanden uns schnell und stellten uns positionierten uns weit vorne an der Startlinie, was sich als sehr gut erwies. Ständig kamen weitere Läufer*innen hinzu und um etwa 9.10 Uhr fiel endlich der Startschuss. Wir starteten gemeinsam, aber jeder lief danach sein eigenes Tempo. Ich wollte es etwas gemütlicher angehen lassen, um nichts zu riskieren. Schließlich war es nur ein Fun Run am Tag vor dem Marathon.

Wir liefen um das Kolosseum herum Richtung Circus Maximus, vorbei an der UNO und schwenkten auf die Viale delle Terme di Caracalla ein. Wir folgten der Straße und hatten einen Anstieg zu bewältigen, bevor es an der anderen Seite der Terme wieder bergab ging. Unten angekommen, liefen uns die frisch gestarteten Läufer*innen entgegen, während ich bereits auf die Straße am Circus Maximus einschwenkte. Nur noch gerade und dann eine Kurve und das Ziel war erreicht.

4,84 km | 24: 32 Minuten

Samstag – der weitere Tag

Nach dem Lauf hatte ich es etwas eilig, um ins Hotel zu kommen – schließlich wollte ich noch frühstücken, was nur bis 10.30 Uhr möglich war. Auf dem Rückweg kamen mir immer noch sehr viele Läufer*innen entgegen und auch am Start war das Feld noch dicht gedrängt. Es dauerte etwa 1 Std., bis alle über die die Startlinie gelaufen waren. Das Frühstück in der Sonne war sehr angenehm: Ei, Toast, Saft und Cappuccino – danach konnte es weiter gehen.

Ich wollte es an diesem Tag ruhiger angehen lassen und meine Beine nicht mehr belasten. Zudem stand am Nachmittag die Pacervorstellung noch auf dem Programm. Ich fuhr mit der U-Bahn zur Pyramide, die ich mir im Jahr zuvor bereits anschauen wollte. Dort angekommen entdeckte ich den nahe gelegenen Friedhof, der an die Pyramide grenzt. Es ist ein sehr ruhiger Ort mit alten Gräbern, der zum verweilen einlädt. Gerade bei der Hektik der Stadt war dies ein perfekter Kontrast.

Pacervorstellung & Pacerdinner

Nachmittags machte ich nochmals auf dem Weg zur Marathon Messe, wo auf der Bühne die Vorstellung der Pacergruppen geplant war. Ich hatte erst überlegt, ob ich mich nochmals in die Schlange einreihen sollte, aber nachdem es einen Treffpunkt außerhalb gab und wir geschlossen zur Bühne gehen konnten, entschied ich mich dafür. Dort traf ich auf weitere Pacerkolleg*innen, die ich bereits von anderen Läufen kannte und es war schön, sich wieder zu sehen.

Für den Abend hatte Jim, ein amerikanischer Pacer zu einem Dinner eingeladen, an dem etwa 30 – 40 Pacer teilnahmen. Es war ein gemütliches Abendessen, bei dem man wieder neue Pacer kennenlernen und den Tag entspannt ausklingen lassen konnte. Danach war für mich auch Schluss – mit dem Bus ging es zurück zum Hotel, wo ich noch die letzten Vorbereitungen traf und auch packen musste. Für mich war nach dem Marathon die Weiterfahrt nach Bologna geplant.

Sonntag – Race Day

Morgens um 5 Uhr läutete mein Wecker… Etwas verschlafen machte ich mich fertig und nahm ein kleines Frühstück ein. Zugleich musste ich bereits vor dem Marathon mein Gepäck fertig machen, das im Hotel aufbewahrt wurde. Kurz nach 6 Uhr machte ich mich auf dem Weg zum Treffpunkt der Pacer am Kolosseum. Dort warteten bereits viele, die Ballons schwebten in der Luft – es war wieder ein sehr schönes Bild mit dem beleuchteten Kolosseum im Hintergrund. Der Morgen war kalt und ich war um meine Jacke froh. Nach vielen Fotos, dem Versuch 260 Pacer auf ein Gruppenbild zu bekommen mussten auch wir unseren Dropbag abgeben und machten uns auf den Weg in die jeweiligen Startblöcke. Für mich bedeutete das Welle D auf der gegenüberliegenden Seite des Kolosseums, wo wir froren und auf unseren Start um 8.40 Uhr warteten.


Marathon

Endlich fiel auch für uns der Startschuss und langsam machten wir uns auf die 42,2 km lange Strecke. Dicht gedrängt liefen wir am Monumento a Vittorio Emanuele II vorbei und versuchten als 3er-Gruppe zusammen zu bleiben und unser Tempo zu finden. Trotz der vielen Läufer*innen fanden wir schnell in unseren Rhythmus. Die Strecke verlief nach Süden, etwa bei km 3 erreichten wir die Pyramide und liefen anschließend die Viale Marco Polo entlang. Auf der anderen Seite der Bahngleise liefen wir zurück und querten an der Ponte dell‘ Industria erstmals den Tiber. Nach einer Schleife ging es gleich wieder auf über den Tiber und wir folgten der Lungotevere Aventino nach Norden. Wir liefen am Tempio di Ercole Vincitore vorbei und näherten uns immer weiter dem Vatikan.

Bei km 13 querten wir erneut den Tiber und hatten einen tollen Blick auf die Engelsburg. Kurz darauf schwenkten wir auf die Via della Conzillazione ein und liefen gerade auf den Petersdom zum. Für mich zählt dieser Abschnitt zu den Highlights des Laufs. Am Petersplatz liefen wir nach rechts und bogen in die Via dei Corridori, liefen um die Engelsburg und querten an der Ponte Cavour nochmals den Tiber. Für einen kurzen Abschnitt waren wir auf dieser Flussseite – gleich an der nächsten Brücke nach Norden ging es wieder auf die andere Seite. Wir liefen wieder Richtung Vatikan und erreichten nach einem ZickZack Circovallazione Trionfale, der wir folgten.

Etwa 22 km waren wir inzwischen unterwegs und das Zusammenspiel in unserer Pacergruppe klappe sehr gut. Wir hielten unser Tempo nahezu konstant, alles lief sehr entspannt. Es ging immer weiter nach Norden und bei km 27 erreichten wir das Olympiastadion. Im Gegensatz zum Vorjahr liefen wir dieses Jahr nicht direkt ums Stadion. Nach einer Schleife ging es wieder zurück Richtung Süden bis zur Ponte della Musica Amando Tovajoli. Nach erneutem Queren des Tiber liefen wir eine relativ unspektakuläre, etwa 5 km lange Schleife.

Rückweg ins Zentrum

Unser Rückweg führte uns nochmals entlang des Tiber. Bis km 37 blieben wir direkt am Fluss und bogen anschließend zum Pantheon ab. Nach einer Kurve und einem Stück auf der Via dell Corso ging es über die Piazza del Popolo. Über die Via del Babuino wurden die letzten Kilometer eingeläutet – noch 4 km bis zum Ziel! Die Gassen wurden enger, Kopfsteinplaster und wir mussten aufpassen, dass wir Pacer uns nicht aus den Augen verloren. Bei km 40 laufen wir über die Piazza Navona und an der Spanischen Treppe vorbei.

Die letzten Kilometer

Der Marathon lief wie am Schnürchen und das Tempo war entspannt. Nach den etwas breiteren Straßen vom Stadion kommend liefen wir wieder in die Altstadt mit ihren engen Gassen. Nun wurde es wieder enger und zunehmend mussten auch gehende Teilnehmer*innen überholt werden. Es war ein ständiges Umsehen, wo die Pacerkolleg*innen sind. Es war etwas anstrengend und an manchen Stellen auch nervig, aber klappte gut. Nur noch 1 Kilometer, wir laufen nochmals am Monumento a Vittorio Emanuele II vorbei, halten uns rechts und folgen der Straße bis zur Abzweigung zum Circus Maximus. Dort ein letzter kleiner Anstieg, der aber Kraft kostet und dann sehen wir bereits das Ziel vor uns. Gemeinsam als 3er-Gruppe laufen wir die letzten Meter und erreichen das Ziel. Nach 4:19.42 Std. passieren wir die Ziellinie und liegen damit perfekt in der Zeit.

Weltrekord

Beim diesjährigen Rom Marathon sollte ein Weltrekord für das größte Pacer-Team bei einem Marathon aufgestellt werden. Bei meinem Zieleinlauf war es noch offen, ob der Weltrekord geschafft wird. Es dauerte noch bis die letzten Läufer*innen am Circus Maximus ankamen bis Klarheit herrschte. Der Weltrekord wurde geknackt! Für die Pacer gab es damit einen weiteren Termin am Nachmittag, bei dem der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde offiziell verkündet werden sollte. Ich wollte auch dabei sein, hatte aber nur begrenzt Zeit, da ich um halb 5 vom Bahnhof Termini aus nach Bologna fahren wollte. Letztendlich musste ich vor Beginn der offiziellen Zeremonie wieder gehen, um die U-Bahn zu erreichen und pünktlich am Bahnhof zu sein. Medaille und Urkunde bekam ich daher zugeschickt.

Zwischenstopp in Bologna

In schnellem Tempo und mit kleineren Problemen am Fahrkartenautomaten in der U-Bahn erreichte ich den Bahnhof Termini und meinen Zug. Nun konnte ich einfach sitzen und die Beine ausstrecken. Entspannte erreichte ich Bologna, wo ich seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr war. Bereits bei der Ankunft musste ich feststellen, wie verwinkelt und unübersichtlich der Bahnhof ist, aber gut… 15 Minuten später war ich im Hotel und direkt in der Innenstadt.

Für mich stand nun Abendessen an. Ich schlenderte etwas durch die kleinen Gassen und schnell fand ich eine Osteria, an der ich draußen sitzen konnte. Anschließend erkundete ich etwas die Stadt und genoss einen Aperol Spritz. Aber bald schon musste ich ins Hotel und schlafen. Morgens wachte ich viel zu früh auf und entschloss mich zu einer kurzen Sightseeing-Laufrunde. So konnte ich in 6 km doch noch etwas von Bologna sehen und stellte wieder fest, wie schön die Stadt ist. Nach dem Frühstück musste ich bereits wieder zum Bahnhof aufbrechen, da um 9.16 Uhr mein Zug über Bozen und München nach Bamberg fahren sollte.

Heimreise mit Hindernissen

Gegen 9 Uhr erreichte ich den Bahnhof, sah auch meinen Zug nach Bozen bereits angeschrieben. Also wieder durch den verwinkelten Bahnhof zum Gleis 17. In der nächsten Halle nochmals die Anzeigentafel checken – alles passt und über die Rolltreppe zum Gleis. In etwas mehr als 5 Minuten sollte es losgehen und ich um 18.40 Uhr in Bamberg sein. Leider kam es anders…

Ich wartete, kein Zug kam, die Anzeigentafel kündigte auch keinen Zug an und plötzlich spricht mich ein amerikanische Paar an. Ob ich wüsste, wo der Zug Richtung Verona sei, der doch jetzt abfahren müsste. Ich meinte nur, ich will auch diesen Zug nehmen und warte auch. Es gab eine Gleisänderung, die wir durch unsere fehlenden Italienischkenntnisse nicht verstanden und weg war der Zug. Ich hätte kotzen können! Nach einem Wortgefecht am Schalter musste ich mir erst einmal ein neues Ticket für den Zug nach Bozen kaufen und auch der Anruf beim Kundenservice der Deutschen Bahn half nichts. Die Zugbindung wurde nicht aufgehoben und auch für die Strecke von Bozen nach Bamberg brauchte ich ein neues Ticket, was mich insgesamt 250€ kostete und bedeutete, dass ich erst um 22.40 Uhr in Bamberg ankam.

Ich war richtig sauer, aber es nützte nichts. So komme ich zumindest noch zu einem Kaffee in Bozen, wo ich 2 Stunden Aufenthalt hatte. Letztendlich konnte ich aber feststellen, dass die Verbindung sehr gut funktionierte und ich pünktlich in München ankam und dort meinen Zug nach Bamberg erreichte. Mit einer Fahrzeit von unter 9 Stunden von Bologna nach Bamberg ist es für mich weiterhin eine Alternative zum fliegen.

Mein Fazit

Nach meinem zweiten Start beim Rom Marathon könnte ich mir gut vorstellen, ein weiteres Mal als Pacer dabei zu sein. Gerade im März ist Rom sehr schön mit angenehmen Temperaturen und noch nicht extrem überlaufen. Der Marathon selbst ist schön und für die Pacer wird sehr viel geboten. Bestzeiten sind in der ewigen Stadt schwierig und auch die Stimmung entlang der Strecke könnte an manchen Stellen besser sein. Dafür ist der Marathon ein perfektes Sightseeing.

Sollte ich 2027 aber einen Platz als Pacer beim London Marathon bekommen, werde ich voraussichtlich erst 2028 nach Rom zurückkommen.

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