2010 – 2015 – 2026. Es wurde wieder Zeit.

Seit längerem hatte ich darüber nachgedacht, beim Jungfrau Marathon noch einmal an den Start zu gehen. Den Slogan vom „schönsten Marathon“ kann ich schließlich nur bestätigen. 2010 war der Jungfrau Marathon mein dritter Marathon überhaupt. 2015 folgte der zweite Start – und 2026 wurde er zu meinem 115. Marathon beziehungsweise Ultra.

Die Anmeldung ist jedes Jahr ein kleines Wettrennen für sich. Am 14. Februar öffnet sie traditionell und die Startplätze sind meist schnell vergeben. Dieses Mal hatte ich Glück und konnte meinen Startplatz problemlos buchen. Damit stand fest: Es geht wieder ins Berner Oberland!

Und diesmal sollte der Lauf nicht einfach nur ein Marathon werden. Schon die Tage davor und danach waren Teil des Abenteuers.

Anreise in die Jungfrau Region und eine erste Wanderung

Bereits am Donnerstag machte ich mich auf den Weg in die Jungfrau Region. Mein Ziel war Lauterbrunnen, wo ich für das Wochenende ein Zimmer gebucht hatte. Der Ort ist für mich der perfekte Ausgangspunkt: Wanderungen starten direkt vor der Haustür, die Startnummernausgabe in Interlaken ist gut erreichbar und auch das Jungfraujoch lässt sich problemlos mit der Bahn erreichen.

Die Anreise aus Bamberg zieht sich allerdings. Mehr als zehn Stunden war ich mit Umstiegen in Frankfurt, Basel, Bern und Interlaken unterwegs. Trotzdem lohnt sich die lange Fahrt – und besonders praktisch: Die Bahnfahrt innerhalb der Schweiz beziehungsweise ab einem Grenzbahnhof ist im Startpreis enthalten.

Für das Wochenende war perfektes Wetter angekündigt: Freitag und Sonntag sonnig und warm, am Samstag zum Marathon etwas kühler und bewölkt. Schon am Donnerstag zeigte sich die Jungfrau Region von ihrer besten Seite. Nach der langen Zugfahrt wollte ich mich noch etwas bewegen und entschied mich für eine kurze Wanderung. Mit der Seilbahn ging es aus dem Lauterbrunnental hinauf zur Grütschalp. Von dort führt ein wunderschöner, nahezu flacher Weg nach Mürren. Durch die Höhenlage hatte ich während der gesamten Wanderung einen fantastischen Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Und ganz nebenbei konnte ich schon einmal erahnen, wo die Marathonstrecke später verlaufen würde. Nach rund vier Kilometern erreichte ich Mürren. Zurück ins Tal ging es mit der sehr steilen Seilbahn und anschließend mit dem Bus nach Lauterbrunnen. Ein perfekter Einstieg in das Marathonwochenende.

Sonne pur und Schnee auf 3.454 Metern

Am Freitag hieß es früh aufstehen. Nach einem kleinen Frühstück saß ich bereits um 7.30 Uhr im Zug. Über die Kleine Scheidegg ging es zunächst zum Eigergletscher auf 2.320 Meter. Dort wechselte ich den Zug und fuhr durch den Berg. Ein kurzer Halt an der Station Eismeer auf 3.160 Metern und schließlich war das Ziel erreicht: das Jungfraujoch auf 3.454 Metern.

Eigentlich hatte ich geplant, zur Mönchsjochhütte zu wandern. Wegen Gletscherspalten war der Weg dorthin allerdings gesperrt. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Sonne pur, der Blick über den Aletschgletscher und die umliegenden Gipfel – einfach beeindruckend. Dazu war es fast windstill und bei ungefähr zehn Grad brauchte ich weder Mütze noch Handschuhe. Besser konnte der Tag kaum beginnen.

Auf dem Eigertrail Richtung Tal

Zurück an der Station Eigergletscher entschied ich mich, einen Teil des Weges ins Tal zu Fuß zurückzulegen. Direkt dort beginnt der Eigertrail, der unterhalb der imposanten Eiger-Nordwand Richtung Tal führt. Bevor es losging, musste natürlich noch ein Foto vor dem bereits aufgebauten Zielbogen des Jungfrau Marathons sein. Sicher ist sicher! Der Blick auf die Nordwand des Eigers fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Gleichzeitig frage ich mich immer wieder, wie Menschen diese gewaltige Wand überhaupt bezwingen können.

Für mich standen nun mehr als sechs Kilometer und rund 800 Höhenmeter bergab auf dem Programm. Eigentlich wollte ich gemütlich wandern. Doch schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass ich lieber laufen würde. Die Ausrüstung mit Rucksack war zwar nicht optimal, aber immerhin hatte ich Trailschuhe dabei. Also los! Der Weg erwies sich als wunderschöne, teilweise durchaus anspruchsvolle Strecke mit felsigen Passagen. Meist war sie aber gut laufbar. An der Station Alpiglen war für mich Schluss. Kurz überlegte ich noch, bis Grindelwald weiterzulaufen. Aber ich wollte es vor dem Marathon nicht übertreiben – schließlich musste ich anschließend noch nach Interlaken zur Startnummernausgabe. Mit der Bahn ging es über die Kleine Scheidegg zurück nach Lauterbrunnen und von dort weiter nach Interlaken.

Startnummer, Schokolade und Vorfreude

In Interlaken angekommen, ging es zunächst zur Startnummernausgabe. Am Höheweg waren bereits viele Kinder unterwegs und die Ausgabe selbst lief schnell und unkompliziert. Auch die Marathonmesse war übersichtlich, sodass noch Zeit für eine kleine Runde durch Interlaken blieb. Eine schöne Überraschung gab es bei der Startnummer: Jede Läuferin und jeder Läufer bekam eine große Tafel Schokolade mit der Startnummer. Schweiz eben. 😉

Nun war alles vorbereitet. Zurück nach Lauterbrunnen, ausruhen und Kräfte für den nächsten Tag sammeln. Denn am Samstag warteten 42,2 Kilometer, 2.320 Höhenmeter und der Eigergletscher auf mich.

Samstag: Der Jungfrau Marathon

Auch der Renntag begann früh. Nach einem kleinen Frühstück nahm ich bereits um 7.01 Uhr den Zug nach Interlaken. So blieb genügend Zeit, den Kleiderbeutel abzugeben und mich ohne Stress auf den Start vorzubereiten. Die Atmosphäre war entspannt. Kurz vor dem Start gab es Alphornbläser und Fahnenschwenker, anschließend landete noch ein Läufer mit dem Jungfrau-Marathon-Gleitschirm auf der Wiese nebenan. Und dann war es soweit.

8.30 Uhr – Start für rund 4.000 Läuferinnen und Läufer.

Die ersten 21 Kilometer: Noch scheint alles einfach

Zum Auftakt geht es zunächst auf eine 3,3 Kilometer lange Schleife durch Interlaken. Wir passieren dabei sogar noch einmal den Startbereich, bevor die Strecke Richtung Bönigen und zum Brienzersee führt. Das Tempo ist hoch – für meinen Geschmack eigentlich etwas zu hoch. Aber es fühlt sich zunächst gut an. Im dicht gedrängten Feld gibt es viele Überholmanöver, auf den breiteren Straßen funktioniert das noch problemlos. Die 5-Stunden-Pacemaker überholen mich bereits früh. Bei dem Tempo bin ich etwas überrascht, aber noch mache ich mir keine Gedanken. Über Wilderswil geht es nach Zweilütschinen. Kuhglocken begleiten uns und schließlich biegen wir ins Lauterbrunnental ab. Noch ist die Strecke weitgehend flach. Bis Lauterbrunnen kommen allerdings bereits rund 250 Höhenmeter zusammen. Die Wege werden schmaler und damit auch die Möglichkeiten zum Überholen. Wir laufen entlang des kleinen Flusses der Halbmarathonmarke entgegen. Dann erreichen wir Lauterbrunnen. Der Ort liegt auf rund 800 Metern Höhe und die Strecke ist von Zuschauerinnen und Zuschauern gesäumt. Von beiden Seiten werden wir angefeuert. Dazu die gewaltigen Felswände des Lauterbrunnentals – eine Kulisse, die selbst nach mehreren Teilnahmen noch beeindruckt. Und auf der linken Seite wartet bereits die Wand, die uns wenige Kilometer später fordern wird.

Am Ortsausgang passiere ich nach 2:12 Stunden die Halbmarathonmarke. Eigentlich wollte ich schneller sein. Aber ein paar Minuten mehr für die erste Hälfte sind noch kein Drama. Mein ursprünglicher Plan, unter fünf Stunden zu bleiben, hat sich allerdings bereits verabschiedet. Und trotzdem weiß ich: Die Hälfte der Strecke ist geschafft. Zeitlich gesehen allerdings noch lange nicht. Denn jetzt kommt der entscheidende Teil des Jungfrau Marathons.

Die Wand nach Wengen

Zunächst geht es noch weiter ins Tal zu den Trümmelbachfällen und auf der gegenüberliegenden Seite wieder zurück nach Lauterbrunnen. 26 Kilometer sind inzwischen geschafft. Noch einmal können wir uns an einer Verpflegungsstation stärken. Dann stehen wir vor einer symbolischen Wand, durch die wir hindurchlaufen. Dazu ertönt Pink Floyds „The Wall“. Das Signal ist eindeutig: Jetzt geht es ans Eingemachte.

Vor uns liegen noch 16 Kilometer – und knapp 1.800 Höhenmeter. Von Lauterbrunnen auf etwa 800 Metern geht es hinauf nach Wengen auf 1.274 Meter. Für rund vier Kilometer bedeutet das einen enormen Anstieg. Es kostet Kraft. Viel Kraft. Das Tempo wird immer langsamer. Teilweise brauche ich 18 Minuten für einen Kilometer. Irgendwann ziehen die 6-Stunden-Pacer an mir vorbei. Überholt wird jetzt kaum noch. Gefühlt kämpfen alle mit dieser Wand.

Doch nach einer weiteren Verpflegungsstation sind wir bereits weit oben und plötzlich öffnet sich ein gigantischer Blick über das Lauterbrunnental. Immer wieder bleibe ich mit den Augen an der Landschaft hängen. Natürlich darf auch das eine oder andere Foto nicht fehlen. Dann kommt Wengen. Der nächste Zuschauer-Hotspot. Viele Menschen stehen an der Strecke und feuern uns an. Bei der Zeitmessung nach 30,7 Kilometern zeigt meine Uhr 3:38 Stunden. Für die knapp fünf Kilometer von Lauterbrunnen hierher habe ich 58 Minuten gebraucht. Meine Platzierung hat sich dabei nur wenig verändert. Im Ort können wir auf dem etwas flacheren Abschnitt kurz durchatmen. Doch danach geht es für die letzten zwölf Kilometer praktisch nur noch bergauf.

Alpine Wege, hohe Berge und Kilometer, die langsam werden

Hinter Wengen wird aus der Straße ein Forstweg. Zum Glück ist es inzwischen bedeckt. Die Sonne bleibt uns erspart und die Bedingungen sind damit ziemlich gut. Die Wolken hängen hoch genug, um die Aussicht auf die Berge nicht zu versperren. Nach dem ersten großen Anstieg fühle ich mich überraschenderweise wieder besser. Auf den kurzen flacheren Abschnitten versuche ich zu laufen. Und auch wenn Laufen nicht möglich ist, versuche ich, das Tempo beim Gehen hochzuhalten. Das funktioniert erstaunlich gut. Rund um uns gibt es nun kaum noch Häuser. Wiesen, hohe Berge, die Bahnlinie – und auf der anderen Seite des Tals liegt Mürren. Genau dort war ich am Donnerstag noch gewandert.

Eine Besonderheit des Jungfrau Marathons sind die Streckenmarkierungen: Ab Lauterbrunnen steht alle 250 Meter ein Schild mit der zurückgelegten Distanz. Manchmal ist es durchaus frustrierend, wenn man gefühlt ewig unterwegs ist und auf dem nächsten Schild liest, dass gerade einmal weitere 250 Meter geschafft sind. Gleichzeitig haben diese Schilder einen wichtigen Zweck: Über die angegebenen Koordinaten könnte bei schlechtem Wetter im Notfall eine Rettungsaktion besser koordiniert werden. Bei meiner ersten Teilnahme 2010 musste ich selbst erleben, wie wichtig eine schnelle Rettung im alpinen Gelände sein kann. Dieses Jahr verlief glücklicherweise alles ruhig. Nur eine Person mit Kreislaufproblemen fiel mir entlang der Strecke auf.

Inzwischen sind 35 Kilometer geschafft. Ich überhole die 6-Stunden-Pacer wieder. Was mir im Vergleich zu einem Ultratrail auffällt: Es wird erstaunlich wenig gesprochen. Die meisten Läuferinnen und Läufer sind inzwischen komplett mit sich selbst beschäftigt. Bei Kilometer 36 wartet die nächste Verpflegungsstation. Insgesamt gibt es entlang der Strecke elf Verpflegungsstellen. Und gerade in diesem Gelände ist es beeindruckend, wie diese Stationen versorgt werden.

Wixi – jetzt ist das Ziel greifbar

Wir nähern uns Wixi bei Kilometer 38,5. Meine Uhr zeigt 4:55 Stunden. Damit ist klar: Für unter sechs Stunden sollte es reichen. Und plötzlich läuft es wieder richtig gut. Die Statistik nach dem Lauf bestätigt dieses Gefühl. In Wengen lag ich bei den Männern noch auf Platz 1957, in Wixi inzwischen auf Platz 1788. Rund um mich herum sind allerdings immer noch unglaublich viele Läuferinnen und Läufer. Die letzten Kilometer dürften also eng werden. In Wixi werden wir deshalb auf zwei unterschiedlich verlaufende, aber gleich lange Strecken aufgeteilt. Eine gute Entscheidung. Denn bei keinem anderen Marathon habe ich bisher erlebt, dass es bei Kilometer 40 oder sogar 41 noch zu regelrechten Staus kommen kann.

Die letzten 3,7 Kilometer: Fels, Geröll und fast 500 Höhenmeter

Von Wixi auf 1.855 Metern sind es noch 3,7 Kilometer bis zum Ziel am Eigergletscher auf 2.320 Metern. Das bedeutet: Noch einmal knapp 500 Höhenmeter. Und zwar auf schmalen Trails. Ich nehme die linke Entlastungsstrecke. Vorbei an ein paar Schweinen, die sich vom Trubel überhaupt nicht beeindrucken lassen, geht es Schritt für Schritt weiter bergauf. Der Untergrund liegt mir gut. Immer wieder versuche ich, einzelne Läuferinnen und Läufer zu überholen. Manchmal klappt es, manchmal ist der Weg schlicht zu schmal. Wir überschreiten die 2.000-Meter-Marke. Von oben höre ich bereits Alphornbläser. Auch Fahnenschwenker sind zu sehen. Ich nutze die Gelegenheit für eine kurze Pause und verschnaufe. Dann geht es weiter. Nach einer Kurve um einen Bergvorsprung erreichen wir die Moräne. Ein schmaler Weg über Felsgeröll, rechts und links geht es steil hinunter. Ringsum die gewaltige Bergwelt. Atemberaubend. Und gleichzeitig anspruchsvoll. Auch hier kommt es noch einmal zu kleinen Staus. Kilometer 41. Ich bin glücklich. Jetzt dürfte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Die Zielzeit von unter sechs Stunden ist nicht mehr in Gefahr. Am Ende der Moräne wartet eine weitere musikalische Überraschung: ein Dudelsackspieler – wie schon bei meinen früheren Starts.

Zieleinlauf am Eigergletscher

Nach der Moräne geht es zunächst etwas bergab, dann queren wir den Berg Richtung Kleine Scheidegg. Der schmale Trail steigt wieder an und Überholen ist weiterhin schwierig. An einer Stelle müssen wir sogar über einen Felsen steigen. Helfer unterstützen uns dabei – und als Belohnung gibt es ein Stück Schokolade. Bei meinen ersten beiden Starts ging es an dieser Stelle Richtung Kleine Scheidegg, wo für mich bisher das Ziel gewesen war. 2026 feierte ich meine persönliche Premiere: Zieleinlauf am Eigergletscher.

Die letzten Meter

Nach dem Felsen wartet der letzte Kilometer. Der Weg wird wieder breiter – dafür aber noch einmal richtig steil. Ein Wanderwegweiser zeigt den Weg zum Eigergletscher. Erste Zuschauerinnen und Zuschauer stehen an der Strecke und feuern uns an. Ich blicke nach oben. Dort sind bereits die Gebäude zu sehen. Und links davon: das Zieltor. Jetzt ist es wirklich nicht mehr weit. Ich versuche weiterhin, das Tempo etwas zu erhöhen. Nicht immer gelingt das noch. Aber ich kann von Wixi bis ins Ziel noch einmal rund 70 Plätze gutmachen. Dann kommt das Schild mit der Aufschrift 42 Kilometer. Kurz darauf biegen wir auf die Zielgerade ein. Die Zuschauer stehen dicht gedrängt an der Strecke. Und dann sehe ich ihn: den roten Teppich.

Noch ein paar Meter. Kurz überlege ich, ob ich ins Ziel laufen soll. Ich verwerfe den Gedanken wieder. Es ist einfach zu steil. Also gehe ich ins Ziel. Nach 5:51:46 Stunden ist es geschafft! Zum dritten Mal bin ich beim Jungfrau Marathon im Ziel. Und ich bin einfach nur glücklich. Die Medaille wird mir umgehängt und als Erinnerung gibt es für alle Finisher noch ein langärmliges Finishershirt. Geschafft!

Nach dem Marathon

Im Zielbereich wartet die Verpflegung und ich freue mich besonders auf ein alkoholfreies Bier und meine Jacke. Auf über 2.300 Metern wird es nach der Anstrengung doch etwas kühl. Ich bleibe noch eine Weile im Zielbereich, bevor ich mich auf den Rückweg mache. Bis zur Kleinen Scheidegg gehe ich zu Fuß. Erst dort steige ich in die Bahn und fahre zurück nach Lauterbrunnen. Nach einer Dusche im Hotel wartet ein gemütliches Abendessen im Garten. Doch lange wird der Abend nicht. Ich muss noch packen, denn am Sonntag geht es bereits wieder zurück nach Bamberg.

Sonntag: Noch einmal hoch hinaus

Nach einer etwas unruhigen Nacht wache ich früh auf. Draußen ist wieder traumhaftes Wetter. Und plötzlich denke ich an eine Idee, die ich am Vortag verworfen hatte. Warum eigentlich nicht? Ein schnelles Frühstück, dann geht es los. Mit dem Zug fahre ich nach Wilderswil und steige dort in die Zahnradbahn zur Schynige Platte. Knapp eine Stunde später stehe ich wieder auf fast 2.000 Metern Höhe. Strahlender Sonnenschein, eine traumhafte Morgenstimmung und Berge, soweit das Auge reicht.

Ich habe eine rund vier Kilometer lange Wanderung geplant. Mit wenigen Höhenmetern geht es durch den Alpengarten hinauf zum 2.069 Meter hohen Oberberghorn und anschließend über den Grat zurück zur Bahnstation. Die Ausblicke sind phänomenal. Auf der einen Seite die Bergwelt, auf der anderen Interlaken mit Thunersee und Brienzersee. Leider ist meine Zeit hier oben begrenzt. Mittags fährt mein Zug zurück.

Doch dann sehe ich wieder die Schilder zum Eiger E51 und E101. Und plötzlich ist sie wieder da, diese Idee: Vielleicht sollte ich wirklich endlich einmal beim Eiger Ultra Trail starten.

Zurück nach Bamberg

Wieder im Tal heißt es Abschied nehmen. In Interlaken wartet bereits mein Zug nach Bern. Dort steige ich um, anschließend geht es über Basel und Frankfurt zurück nach Bamberg. Am Abend komme ich pünktlich zu Hause an. Im Gepäck: die Medaille, das Finishershirt, viele Erinnerungen – und jede Menge Eindrücke aus den Bergen.

Was soll ich sagen?

Es waren traumhafte Tage in einer atemberaubenden Landschaft. Der Jungfrau Marathon ist weit mehr als 42,2 Kilometer. Es ist die Kombination aus einem anspruchsvollen alpinen Marathon, spektakulären Landschaften, besonderen Momenten entlang der Strecke und der einzigartigen Atmosphäre im Berner Oberland. Nach meinem dritten Start kann ich den Slogan vom „schönsten Marathon“ noch immer unterschreiben. Und wer weiß – vielleicht war mein dritter Jungfrau Marathon ja nicht mein letzter.

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